Gewalt über das Handy

Handys sind inzwischen unter Jugendlichen ein weit verbreitetes Kommunikationsmedium Dass diese Geräte schon längst nicht mehr nur zum Telefonieren geeignet sind, ist sicher auch bekannt. Besonders die Foto- und Videofunktionen sind unter Schülern sehr beliebt. Leider lässt sich damit nicht nur die Klassenfahrt oder das Schulfest filmen – sondern auch Gewalt inszenieren: Jugendliche schlagen und treten Gleichaltrige, um die Tat mit dem Handy aufzunehmen und damit gegenüber Freunden oder im Internet anzugeben und die Opfer zu beleidigen und zu demütigen. Happy Slapping heißt dieses Phänomen, von dem laut einer aktuellen Studie 16,5 Prozent der befragten Jungendlichen betroffen sind.
Die Täter sind stark durch gewalttätige Computerspiele und Fernsehen geprägt, die die Gewaltbereitschaft fördern. Sie demonstrieren ihre Stärke und Macht über die Anonymität ihrer Taten, die dem Opfer massiv schaden und den oder die Täter oft ungeschoren davon kommen lassen.

Hat der Gemobbte beim altmodischen Mobben seinen Peiniger immerhin von Angesicht zu Angesicht vor sich, so kann im Netz jeder X-beliebige die Prügelei auf einer eigens eingerichteten Seite anschauen, auf der Kommentarseite anonym einen Haufen erniedrigende Worte über das gedemütigte Opfer ausgießen und so seinen unterdrückten Aggressionen freien Lauf lassen. Das Opfer hat keine Ahnung, aus welcher Ecke all der Hass kommt, mit dem es fertig gemacht werden soll.

Diese Anonymität setzt den Opfern besonders zu. Den Feind im Blick zu haben, ist immer noch erträglicher als ihn überall unsichtbar lauernd vermuten zu müssen. Die Opfer verkriechen sich und fragen: Werden diese Beleidigungen, pornographischen Fotokollagen, all die Beschimpfungen je wieder aus dem Netz verschwinden? Wahrscheinlich nicht. Das Netz vergisst selten und man kann nur hoffen, dass in der Flut der Daten die Gewaltdarstellungen untergehen.